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„Beliebtes Allgäuer Gold auf den Brettln“

Die Skibeschläge-Fabrik Josef ESS Sonthofen/Allgäu stellte Nägel für Bergschuhe, Skistiefelschoner, Skispitzen und Ähnliches her.

Die Firma „Allgäuer Skibeschläge-Fabrik Josef ESS Sonthofen/Allgäu“ wurde 1924 von Josef Ess gegründet und stellte zunächst handgeschmiedete Nägel für Bergschuhe, Skistiefelschoner, Skispitzen und Ähnliches her.

1934 stieg ESS in die Produktion von Skibindungen ein und konnte sich bis in die 1980er Jahre auf diesem Markt behaupten. Die Allgäu-Backenbindung verkaufte sich 100.000-fach in alle Welt. 1946 kam die erste Zweifeder-Kabelbindung hinzu, die für viele Jahre Standardmodell war.

1956 brachte die französische Firma LOOK die Sicherheitsbindung Nevada auf den Markt. Ab 1960 fertigte man auch in Sonthofen Nevada-Bindungen. In einem Werbeprospekt aus den 1960er Jahren hieß es: „Der größte Teil der deutschen Herren-Skielite verwendete in der Saison 64/65 die ESS NEVADA II …“.

Zur Saison 1968/1969 brachte ESS das Erfolgsmodell NEVADA in Gold heraus. Die „Exquisite-Luxusausführung“ war zwar nicht durch und durch aus Gold, aber immerhin 18 Karat vergoldet und Hochglanz. Dieser Luxus kostete 500 DM (Sicherheitsbacken plus Absatz-Automatik) – die Standardausführung 112 DM. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Monatseinkommen eines männlichen Arbeitnehmers lag damals bei 1.290 DM.

Wer die „Hochglanz-Exquisite-Luxusausführung“ wohl gekauft hat? Auch die Wochenzeitung DIE ZEIT stellte sich diese Frage und kam zu dem Schluss, dass das wohl etwas für Ski-Snobs und Playboys sei – und dass auch die teuerste Skiausrüstung mit Goldbindung kein Garant fürs Wedeln und gegen Knöchelbruch sei.

Autor: Astrid Schwarz M.A.
Museum Stadt Kempten

Literatur: Katalog Firma ESS, 1968/69.

„Gold auf den Brettln“, DIE ZEIT, Ausgabe 48/1968, 27. November 1968.

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